STRAVA RAPHA FESTIVE 500 – 2015

Strava Rapha Festive 500 steht wieder auf dem Plan, jedoch was ist das eigentlich?

Strava ist ein Onlinedienst, bei dem man zusammengefasst seine sportlichen Aktivitäten aufzeichnen und mit anderen Teilnehmern teilen kann. In der Anwendung gibt es ständig neue Herausforderungen wie z.B.: Wer fährt die meisten Höhenmeter im April, wer ist der Schnellste beim Anstieg XYZ oder auch wer schafft es, zwischen Weihnachten und Silvester 500 km Rad zu fahren?

Rapha ist ein Hersteller von sehr schöner aber nicht so preiswerter Radbekleidung.

Für die Herausforderung 2015 haben sich insgesamt 71.225 Teilnehmer angemeldet. 2013 waren es noch 31.552.

Mein Plan ist es, das Thema schnell zu erledigen. 4 x 125 km macht 500 km. Früh losfahren, damit ich zu Mittag wieder bei meiner Familie bin. Als Strecke wähle ich den Neckartal-Radweg. Einmal in die Richtung, einmal in die Andere. Ich habe keine Lust auf neue Strecken. Dafür benötigt man viel Vorbereitung und Nerven.

2015 war kein einfaches Jahr. Nennen wir es einfach 4 Tage Kurzurlaub. Genügend Zeit, um mal paar Gedanken zu ordnen.

TAG 1 – 24.12.2015

Ich fahre gegen 6.20 los. Stuttgart Richtung Heilbronn. Es ist um die 5 Grad warm und etwas feucht. Zum Glück kein Regen. Meine Aldi-Lampe flackert ein wenig, aber ich habe noch eine Ersatzlampe dabei.

Es fährt sich gut. Die Strecke kenne ich wohl bald auswendig. Es ist aber ein typischer Flußradweg mit allen Gefahren. Im Sommer jedoch oft überfüllt und nicht ungefährlich.

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Aber jetzt um die Uhrzeit ist nichts los und langsam getraut sich die Sonne raus. Herrlich wie die Natur erwacht. Die Enten schnattern und die Schwäne machen paar Dehnungsübungen. Ich genieße es. Kein Krach, keine Probleme. Nur mein Fahrrad und ich.

8.19 Uhr Licht aus!

Ich erreiche zügig den Scheitelpunkt von ca. 60 Kilometern, esse paar Nüsse und gönne mir einen großen Schluck Cola. Auf zur Rückfahrt. Jetzt gegen die Sonne. Mir läuft der Schweiß den Rücken runter. Dieses warme Wetter macht mir langsam Angst.

Gegen 12 Uhr bin ich wieder wie geplant daheim und freue mich auf Heiligabend.

Am Abend erreicht mich noch ein Weihnachtsgruß von M.. Warum schreibt er jetzt gerade mir? Ein Zeichen? M. habe ich über Strava kennengelernt. Wir kommunizieren regelmäßig über die sozialen Medien. Leider haben wir dieses Jahr jedoch nur eine Fahrt zusammen geschafft.

TAG 2 – 25.12.2015

Heute fahre ich mal zur Abwechslung in die andere Richtung. Es ist nicht meine Lieblingsstrecke, da der Radweg in diese Richtung deutlich schlechter ist. D.h. wieder 5.30 Uhr aufstehen, frühstücken, ausfsatteln und losfahren.

Ich verlasse Stuttgart südlich Richtung Esslingen. Nach meiner Grobplanung müsste ich kurz vor Tübingen die Hälfte von 60 Kilometern erreichen.

Ich komme gut voran, an machen Stellen ist der Radweg auch schon besser geworden, jedoch sind die Absperrungen wegen dem Projekt Stuttgart 21 eine Zumutung. Mir macht jedoch die Kälte zu schaffen. In Stuttgart waren es noch 10 Grad, jetzt geht es immer weiter Richtung null Grad. Ich habe Angst vor Blitzeis und nehme den Dampf raus.

8.19 Uhr Licht aus!

Angekommen bei minus 1 Grad, versuche ich die Sonne zu erreichen. Hier ist das Neckartal steiler, d.h. die Sonne braucht noch lange um das Tal zu erreichen. Endlich erreicht sie mich und der Unterschied zwischen -1 Grad und + 5 Grad Celsius ist enorm.

Zum Frühstück gibt es wieder paar Nüsse und einen großen Schluck Cola.

Gestern Abend hatte mir noch M. geschrieben, ob ich mich gegen 12 Uhr in Stuttgart mit ihm treffen möchte. Meine Zusage folgte natürlich sofort, sie macht mir jetzt jedoch die weitere Planung schwerer. Bei welcher Zeit muss ich umdrehen, um 12 Uhr am Treffpunkt und gegen 13 Uhr daheim zu sein? Höhere Algebra bei leicht eingefroren Hirn. 🙂

Irgendwie schaffe ich es, genau um 11.55 Uhr am Treffpunkt zu sein. Da stehen sie nun. Drei Stravakollegen im feinsten Zwirn und frisch geputzten Rädern. Ich bin jedoch heftig angeschwitzt, durchgefroren und rieche bestimmt nicht gut. Kein Rennrad, dazu noch ein Plattfuss am Hinterrad. Aber alles kein Problem. M. hilft mir beim Schlauchwechsel und paar Minuten später fliegen wir los. Eigentlich habe ich schon 120 km in den Beinen. Ich fahre paar Kilometer im  Windschatten und klinke mich aber auch bald wieder aus. Drei neue Strava-Follower. Vielleicht entwickelt es sich etwas daraus.

TAG 3 – 26.12.2015

Wieder die Route von Tag 1. Alles schon gewohnt. Gegen 6.30 lege ich ab.

Kollege Einsamkeit ist mein treuer Begleiter. Ich habe über hundert Follower bei Strava, zig Kontakte bei Facebook usw. aber 98 Prozent meiner Fahrten mache ich alleine. Oft grübel ich in der letzten Zeit über diese Situation nach.

…Arbeitsbedingt hat es uns 1995  aus dem tiefsten Osten von Deutschland nach Stuttgart verschlagen. Nach Studium parallel zum Job und dem ersten Kind wurden die Kontakte immer weniger. Da ich freiberuflich in IT-Projekten arbeite, habe ich auch keinen richtigen Kontakt zu Kollegen. Bei mir im Ort kommt man in geschlossene Cliquen nicht rein, selbst in Sportvereinen fühlt man sich oft fremd. Ein Großstadt wie Stuttgart bietet natürlich auch viele mögliche Aktivitäten, d.h. die wenigen Bekannten sind oft verplant oder man hat leider selbst keine Zeit.  Es ist nicht so wie auf einen kleinen Dorf, wo es nicht mehr wie Fußball oder Tennis gibt und man sich anschließend noch in den Biergarten trifft….

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Ich versuche jedoch die Situation so zu akzeptieren wie sie ist. Für 2016 wünsche ich mir jedoch, dass sich dieses Dilemma wie auch immer irgendwie ändern wird.

8.19 Uhr Licht aus.

Ich nähere mich dem Scheitelpunkt. Alles wie gehabt. Die Schaltung knallt manchmal heftig. Eine neue Kette wird wohl fällig.

Ohne besondere Vorkommnisse komme ich daheim an.

Beim Nachmittagskaffee bricht mir leider jedoch ein größeres Stück Backenzahn ab. Oh nein, ist jetzt alles gelaufen? Glücklicherweise liege ich schon 10 Minuten später auf dem Behandlungsstuhl. Die Ärztin flucht ein wenig über Keramikinlays und repariert das Loch provisorisch.

 

TAG 4 – 27.12.2015

Letzter Tag. Die Zahnärztin hat einen sehr guten Job gemacht. Ich spüre zwar noch die kalte Luft in der entzündeten Zahntasche aber es ist nicht so schlimm.

Heute läuft es etwas anders. Der Wetterbericht hatte am Vorabend noch vor Glatteis gewarnt. So frühstücke ich mit meiner Familie. Sie gehen heute ins Kino und ich kann ohne schlechtes Gewissen die Aktion entspannt abschließen.

Herrlicher Sonnenschein. Heute lasse ich meine Stadtgurke daheim und hole meine Rennrad aus dem Keller.

Ich liebe Rennräder. Diese wunderschöne und perfekte Technik. Ich habe mir erst letztes Jahr eins gegönnt. Zu meinen Fuhrpark gehören noch mein Stadtrad, ein MTB und ein Singlespeed. Aber das Rennrad ist das Beste von allen. Schon der Vortrieb. Man tritt nur leicht in die Pedale und die Post geht ab. Ich wünsche mir ein leichtes Reiserennrad. Ein schönes mit Licht und Gepäckträgern.

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Ich fliege nur so den Radweg lang. Als Kind wollte ich immer Rennrad fahren. Damals in der DDR ging das nur in einem Verein, anders ist man nicht an Material gekommen. Der erste Abend Training war die Hölle. Eine Stunde Dauerlauf in einer stickigen Turnhalle. Als Zehnjähriger war ich die Belastung nicht gewohnt und lag danach eine Woche mit einer heftigen Angina im Krankenhaus. Aus und vorbei. Vielleicht auch besser so.

Wie im Fluge erreiche ich den Scheitelpunkt, gönne mir ein schönes Hefeweizen und trete die Heimreise an.

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Die Rückfahrt ist wegen der vielen Fußgänger sehr gefährlich. Kaum richtig in Fahrt stoße ich auf die nächste Gruppe und Hunde rennen ohne Leine in meine Spur. Jetzt bloß kein Sturz wie viele andere Teilnehmer des Wettbewerbes. Also erstmal Dampf raus, ein sonniges Fleckchen gesucht und etwas Musik gehört.

Nach exakt fünf Stunden Fahrzeit komme ich ohne Kratzer daheim an.

 

Fazit

STRAVA RAPHA FESTIVE 500 – 2015 ich war dabei und habe Dich bezwungen! 500 km vom 24. – 27.12.2015.

Es hat mal wieder Spass gemacht. Bei Temperaturen von bis zu 15 Grad jetzt nicht die riesengroße Herausforderung. Aber geschafft ist geschafft.

Ich hatte viel Zeit, über mein Leben nachzudenken. Einige Sachen möchte ich 2016 ändern….

Ein Kommentar auf “STRAVA RAPHA FESTIVE 500 – 2015”

  1. Michael sagt:

    Schöner Bericht. Neckartalradweg zwischen Neckartenzlingen und Nürtingen bin ich letztens auch gefahren, ist nicht schön zumindest mit dem Rennrad

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